artikel:fehlersuche:massefehler_finden

Massefehler finden

Dieser Fehler gehört zu den häufigsten und auch gemeinsten, gerade bei älteren Fahrzeugen. Um den Fehler zu verstehen und zu beheben muss man ein klein Wenig über Fahrzeugelektrik wissen.

Woher kommt die Masse?

Bei vielen Bauteilen im Fahrzeug wird neben der obligatorischen 12V Stromversorgung (+) auch Masse (-) benötigt. Anstelle nun zu jedem Bauteil eine entsprechend (dicke oder dünnere) Leitung dafür zu legen wird hier häufig die Karosserie als Masseleitung genutzt. Die Idee ist so einfach wie genial, denn damit spart sich der Hersteller Kosten und Gewicht. Hierzu sind an verschiedenen Stellen des Fahrzeugs Sammelpunkte angebracht zu denen die Kabelstränge führen und dort mit augequestschen Ringösen verschraubt sind. Die Fahrzeugbatterie hat selbst eine dicke Leitung die vorn im Motorraum an die Karosserie geht. So kann der Strom recht ungehindert fließen.

Wie entstehen die Probleme?

Ein Problem ist Korrossion der Kupferadern durch in die Leitung eintretende Feuchtigkeit. Eine Leitung besteht neben vielen kleinen einzelnen Adern, welche spiralförmig verdreht aus einem Kunststoffmantel (der Isolation). Kann nun an einer Stelle der Leitung Feutchtigkeit/Wasser eindringen, kann dies auf Dauer einen großen Teil der feinen Adern korrodieren lassen. Diese brechen dann und sind nicht mehr elektrisch leitend. Immer weniger der feinen Adern sind dann noch elektrisch leitend, wodurch sich der Leitungsquerschnitt an der Stelle verjüngt und damit der elektrische Widerstand erhöht (kann man sich vorstellen wie eine Engstelle in einem Rohr).

Der Wassereintritt kann durch Bruch in der Isolierung zustande kommen, weil im Laufe der Jahre die Weichmacher aus dem Kunststoff schwinden. Aber auch ständige Bewegungen der Leitung können die Adern brechen lassen. Mechanisch belastete Leitungen, z.B. in Übergängen zu Türen oder durch Fahrzeugvibrationen geben hier schneller auf als andere.

Ein weiteres Phänomen ist durch die Kapillarwirkung zu erklären. Hierbei zieht sich die Feutchtigkeit an einer Eintrittsstelle (z.B. einem Stecker) in die Leitung bis zu einer „Sammelstelle“ oder Austrittsstelle. Diese kann entweder mittem im Kabelbaum liegen oder sogar in einem Steuergerät.

Im vFL Mondeo ist eine beliebte Stelle für solche Masseprobleme der Kabelbaum unter dem Hauptscheinwerfer auf der Fahrerseite oder in der Gummitülle der Heckklappe. Beim Focus kam es zu schweren Beschädigungen im Hauptsteuergerät (BCM), weil sich aufgrund von Kapillarwirkungen Flüssigkeit vom Wischwasserbehälter aufgrund eines Defektes in der Pumpe durch die Leitung bis ins BCM „gezogen“ hat.

Welche Phänomene können entstehen wenn die Masse fehlt oder die Leitung beschädigt ist?

Kurz gesagt: Alles mögliche! Angefangen von komplettem Funktionsausfall (das ist meist noch das „schönste“ Problem, da leicht zu diagnostizieren und zu messen) bis hin zu Teilfunktionen und spontanen Aussetzern. Da sich der elektrische Strom immer den Weg des gerinsten Widerstandes sucht, kann daher auch ein Stromfluß durch andere im Kabelbaum verbundene Geräte stattfinden, was dann wiederum in diesen eine Fehlfunktion auslöst. So wird man schnell von der eigentlichen Problemquelle zu einer ganz anderen geführt.

Meist ist die Suche nach Massefehlern das Ende einer vorherigen Odysse von anderen, meist kostspieligen Fehlerbehebungsversuchen, z.B. dem Tausch von Steuergeräten, Sensoren oder Aktoren.

Wie findet man betroffene Stellen?

Probleme mit Fahrzeugmasse lassen sich auch ganz einfach „testen“ anstelle durchmessen, indem man einfach mit einer Leitung Batteriemasse zum Pin des Steckers bringt.

Hierzu das eine Ende der Leitung direkt am Masse-Pol der Batterie bzw. dem dafür vorgesehenen Pin an der Karosserie in der Nähe der Batterie anschließen. Das andere Ende dann abisolieren und ein paar Adern verdrillen und am besten verzinnen, dann hat man eine richtige „Sonde“ zum einführen in das Steckergehäuse des verdächtigen Bauteils von hinten. Meist reicht ja ein kurzer Kontakt um es zu überprüfen.

Oder man wickelt den Kabelstrang ca. 10 cm vor dem Stecker auf und isoliert die verdächtige Leitung mit einer automatischen Abisolierzange (Foto, da reicht eine aus dem Baumarkt für 5€) ganz einfach und ohne Beschädigung der Adern etwas ab und hat dort einen Kontaktpunkt zum prüfen oder umwickeln. Anschließend kann man es mit Isolierband wieder gut schützen.

  • artikel/fehlersuche/massefehler_finden.txt
  • Zuletzt geändert: Mon. 03.08.2020 08:27
  • von go4it