Tempomat

Die automatische Geschwindigkeitsregelung, auch „Tempomat“ genannt, ist eine austattungsabhängige Fahrzeugfunktion. Sie sorgt dafür, das eine eingestellte Geschwindigkeit automatisch gehalten wird und lässt sich ab 30 km/h, bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h einstellen. Die Funktion ist beim Mondeo MK4 im BCM integriert, es gibt also kein spezielles Modul dafür.

Eine Erweiterung des Standard-Tempomaten, der ASL („Adjustable Speed Limiter“) enthält eine Funktion zur Begrenzung der Maximalgeschwindigkeit auf einen eingestellten Wert. Bei erreichen der eingestellten Höchstgeschwindigkeit nimmt der Motor kein zusätzliches Gas mehr an. Nur durch Vollgas lässt sich diese Grenze, zur Vermeidung von gefährlichen Situationen, überschreiten.

Die Fortschrittlichste Variante des Tempomaten stellt sicher der Abstandsgeregelte Tempomat, ACC („Adaptive Cruise Control“) dar. Hierbei miss ein im oberen Kühlergrill befindliches Radar den Abstand zum Vordermann und kann hält einen eingestellten Abstand automatisch ein. Dabei kann dieser Tempomat nicht nur beschleunigen sondern auch bremsen.

(1) Lenkradtasten für die Tempomat-Steuerung

Die Tempomat-Tasten am Lenkrad sind einfache Taster ohne Einrastfunktion. Sie sind über einen 16-poligen Steckverbinder mit der Wickelfeder verbunden. Die Tastenauswertung geschieht über eine Widerstandsleiter. Dabei liefert jeder Tastendruck einen anderen Widerstandswert, welcher aufgrund der Einspeisespannung (5V) verschiedene Spannungspegel pro Taste ergeben. Ein im Lenksäulenmodul (SCCM) enthaltener Analog/Digital-Wandler ordnet den Spannungswerten dann Tasten zu, welche digital über einen LIN-Bus zum Fahrzeugsteuergerät (BCM) welches die Tempomatfunktion enthält, geleitet werden.

Das SCCM überwacht die Funktionstüchtigkeit der Tasten durch eine Widerstandsmessung zwischen Pin 15 und 16 für den rechten, sowie Pin 15 und 8 für den linken Tastenblock. Wird ein Problem erkannt, wird der Tempomat sofort deaktiviert.

Der rechte Tatenblock ist bei allen Tempomat-Varianten gleich. Die eingebaute Variante erkennt man am linken Block:

  • Tasten beim Standard-Tempomaten:
  • Tasten bei Variante mit Geschwindigkeitsbegrenzer (ASL):
  • Tasten bei Variante mit Abstandskontrolle (ACC):
    • oder

(2) Lenkstock-Modul mit Wickelfeder

Im Lenkstock-Modul sitzt die Wickelfeder. Sie überträgt die elektrischen Signale der Lenkradtasten und Beleuchtung in den Kabelbaum der Lenksäule. Dabei werden die Drehbewegungen des Lenkrades durch eine geeignete Mechanik kompensiert.

(3) Zentralelektrikbox (BCM)

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Das BCM steuert sämtliche Komfortfunktionen des Fahrzeuges. Siehe BCM ("Zentralelektrikbox")

(4) Kombiinstrument (IPC)

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Das IPC dient als Fahrerinformationssystem. Siehe Kombiinstrument (IPC)

(5) Radgeschwindigkeitssensor

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Die Radgeschwindigkeits-Sensoren sind mit dem ABS-Modul verbunden und melden die Geschwindigkeit eines jeden Rades. Das ABS-Modul berechnet daraus die Fahrzeuggeschwindigkeit und sendet dieses über den HSCAN-Bus zum PCM und BCM. Ist das Signal fehlerhaft, ist eine aktivierung des Tempomatsystems nicht möglich.

(6) ABS Modul

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(7) Getriebemodul (TCM)

Nur bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe vorhanden.

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(8) Motorsteuerungsmodul (PCM)

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(9) Drosselklappe mit Positionssensor (TP)

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(10) Gaspedal-Positionssensor (APP)

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Dieser identifiziert die aktuelle Position des Gaspedals und sendet ein dem Betätigungsgrad entsprechendes pulsweitenmoduliertes (PWM) Signal zum PCM, sowie eine analoge Gleichspannung zum BCM. Ist eines der Signale fehlerhaft, wird ein entsprechender Fehler (DTC) im PCM gespeichert und der Tempomat kann nicht aktiviert werden.

(11) Kupplungspedalschalter (CPP)

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Der Kupplungspedalschalter ist am BCM verbunden und zieht die Signalleitung auf Masse sobald die Kupplung betätigt wurde. Das BCM schickt dieses Signal über den HSCAN-Bus ans PCM weiter. Ist der Schalter nicht korrekt befestigt bzw. funktioniert nicht, kann der Tempomat nicht aktiviert werden.

(12) Bremspedal-Positions-Sensor (BPP)

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Dieser teilt dem PCM mit, das das Fahrzeug abgebremst, das Bremspedal betätigt wird. Im unbetätigten Zustand (Ruhezustand) ist der Schalter geschlossen und verbindet das Eingangssignal mit Masse. Durch diese Logik wird auch gleichzeitig ein Kabelbruch oder Kurzschluß nach Masse als Betätigung erkannt, was durchaus gewollt ist und der Sicherheit dient.

Angeschlossen ist der Bremspedalschalter am BCM. Dieses sendet die Pedalbetätigung in Form einer CAN-Bus Nachricht (HSCAN) an das PCM. Der Bremslichtschalter ist im unbetätigtem Zustand der Bremse geöffnet und ebenfalls am BCM angeschlossen. Das BCM vergleicht die Signale vom Bremspedalsensor und dem Bremslichtschalter und löst ggf. einen DTC aus. In diesem Fall lässt sich der Tempomat nicht mehr aktivieren.

Handbremse

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Der Handbremsschalter ist am BCM angeschlossen. Er sendet ein Signal, sobald diese betätigt/angezogen wird. Das BCM lässt dann die Handbrems-Kontrollleuchte im IPC erscheinen. In diesem Zustand kann der Tempomat nicht aktiviert werden.

(13) Rückfahrscheinwerfer-Schalter

Nur bei Fahrzeugen mit manuellem Schaltgetriebe vorhanden.

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Der Schalter für die Rückfahrscheinwerfer sitzt in der Schaltkonsole der Gangschaltung und ist mit dem BCM verbunden. Sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird, sendet es ein Signal ans BCM und dieses aktiviert die Scheinwerfer. In diesem Betriebszustand kann der Tempomat nicht aktiviert werden.

Der Tempomat ist eine im PCM integrierte Funktion des Motormanagements um eine angegebene Geschwindigkeit beizubehalten.

Ist das System aktiviert, kann mittels der Bedientasten die Fahrgeschwindigkeit erhöht oder verlangsamt werden, ohne das Gaspedal zu bedienen. Dieses behält jedoch seine volle Funktionstüchtigkeit während des Tempomatbetriebs bei und kann z.B. für Überholvorgänge eingesetzt werden.

Das PCM steuert dabei lediglich die Drosselklappe und damit die Motordrehzahl zur Geschwindigkeitsregelung. Vom ABS-Modul erhält das System die aktuelle Fahrzeuggeschwindigkeit.

Bei Modellen mit Automatikgetriebe erhält das Getriebemodul (TCM) über den CAN-Bus die Information das der Tempomat aktiv ist und verwendet dann spezielles Motordatenmapping.

Der Tempomat unterscheidet dabei drei Betriebszustände:

  1. „OFF“ ⇒ Das System ist ausgeschaltet und nicht in Betrieb
  2. „STANDBY“ ⇒ Das System ist betriebsbereit, regelt aber nicht die Fahrzeuggeschwindigkeit
  3. „ACTIVE“ ⇒ Das System ist aktiviert und regelt die Fahrzeuggeschwindigkeit die der Fahrer gewählt hat

Betriebszustand "OFF"

Bei Motorstart ist der Betriebszustand zunächst immer „OFF“.

In diesem Modus ist nur der „ON“-Knopf aktiv.

Betriebszustand "STANDBY"

Durch betätigen des „ON“-Knopfes der Lenkradtasten gelangt bringt man den Tempomaten in den „STANDBY“-Modus. Dies wird durch eine entsprechende Anzeige im Kombiinstrument dargestellt:

<BILD VOM IPC MIT TEMPOMAT IM STANDBY>

Der STANDBY-Modus kann nur bei laufendem Motor hergestellt werden und wenn das Fahrzeug nicht schneller fährt als die für den Tempomatbetrieb zulässige Höchstgeschwindigkeit.

Im STANDBY-Modus sind nur die Tasten „OFF“, „SET+“ und „SET-“ aktiv. Durch drücken der „OFF“-Taste kann das System deaktiviert werden.

Betriebszustand "ACTIVE"

<BILD VOM IPC MIT TEMPOMAT IM ACTIVE>

Durch drücken der „SET+“ und „SET-“ Tasten wird die Geschwindigkeitsregelung aktiv und die zum Zeitpunkt des betätigens gefahrene Geschwindigkeit wird gespeichert und im IPC digital angezeigt.

Folgende Konditionen müssen für einen Tempomatbetrieb erfüllt sein:

  1. Der 2. bis 6. Gang ist eingelegt und das Kupplungspedal nicht betätigt
  2. Die Motordrehzahl liegt zwischen Leerlauf- und Maximaldrehzahl
  3. Die aktuelle Fahrzeuggeschwindigkeit liegt zwischen 30 km/h und 180 km/h

Im ACTIVE-Modue sind die Tasten „OFF“, „SET+“, „SET-“ und „CAN“ aktiv und haben dabei folgende Funktion:

  1. Durch drücken der „OFF“-Taste wird der Tempomat komplett deaktiviert
  2. Ein Druck auf „SET+“ (für weniger als 640ms) erhöht die Zielgeschwindigkeit um 1 km/h pro Betätigung. Wird die „SET+“ Taste länger als 640ms gehalten, steigt die Zielgeschwindigkeit in 1 km/h-Schritten, bis die Taste wieder losgelassen, oder die Maximalgeschwindigkeit von 180 km/h erreicht ist.
  3. Umgekehrt wie „SET+“ verhält sich die Taste „SET-“. Sie verringert die Geschwindigkeit um 1 km/h Schritte, bis zur Mindestgeschwindigkeit von 30 km/h.
  4. Die „CAN“ (Cancel) Taste bringt den Tempomaten wieder in den STANDBY-Modus. Die zuletzt eingestellte Geschwindigkeit bleibt gespeichert und wird im IPC in Klammern angezeigt.
  5. Um die zuletzt gespeicherte Zielgeschwindigkeit wieder zu erlangen, genügt ein Druck auf den „RES“-Knopf (Reactivation of saved speed). Das Fahrzeug beschleunigt dann, bis die Geschwindigkeit wieder ereicht wurde.

Der Tempomat wird automatisch wieder in den STANDBY-Modus zurückversetzt, wenn …

  1. … das Bremspedal betätigt wurde
  2. … das Kupplungspedals betätigt wurde (unabhängig von einem Gangwechsel)
  3. … die Handbremse angezogen wurde
  4. … die zuletzt gespeicherte Geschwindigkeit durch manuelles Gasgeben länger als 5 Minuten überschritten wurde
  5. … einer der Tempomattasten länger als 2 Minuten betätigt wurde
  6. … das TCM bzw. ABS/ESP für mehr als 40ms eingreifen musste
  7. … bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe die „N“-Stellung eingelegt wurde
  8. … die gefahrene Geschwindigkeit unter 30 km/h fällt
  9. … bestimmte DTCs aufgetreten sind

Durch betätigen des Gaspedals wird die Fahrzeuggeschwindigkeit erhöht, sobald die Gaspedalstellung über das Maß hinausgeht, welches ohne Tempomatbetrieb die gefahrene Geschwindigkeit ergeben würde. Lässt man das Gaspedal wieder los, wird die Geschwindigkeit auf den eingestellten Wert reduziert.

Problem: Tempomat "fliegt" immer wieder von selbst raus, oder rastet garnicht erst ein

In diesen Fällen immer den Fehlerspeicher vom BCM auslesen. Solche Probleme müssen einen Fehler (DTC) hinterlegen!

  • Leitungsanschlüsse der Tastenplatine brechen/korrodieren. Dies erzeugt falsche Widerstandswerde und das Steuermodul erkennt falsche Tasten bzw. geht auf Störung. Hier hilft nur ein Austausch des Tastenblockes.
  • Schalter am Kupplungspedal oder Bremspedal locker oder fehlerhaft ⇒ Reparieren oder austauschen

Problem: Cola oder andere klebrige Flüssigkeiten sind in den Tastenblock gelaufen. Dieser ist nun Teilweise ohne Funktion

In diesem Fall hilft möglicherweise ein ausbau und komplettes zerlegen des Tastenblockes mit anschließender Reinigung der Kontaktflächen mittels Kontakt-Spray oder Alkohol.

Tempomat lässt sich nicht aktivieren

Häufige Ursachen:

  1. Defekte Lenkradtasten (Funktion nur bei festem oder mehrmaligem drücken, ggf. scheinen die Tasten falsch belegt zu sein, SET+ schaltet Tempomat aus. Tasten werden überwacht und bei erkannter Fehlfunktion Tempomat deaktiviert.) ⇒ ausbauen und reinigen oder austauschen
  2. Defekte Wickelfeder (Kontakte) ⇒ austauschen

Ruckelige Fahrweise bergab

Bei Fahrt bergab mit aktiven Tempomat kann es zu einer ruckeligen Fahrweise kommen.

Spritverbrauch sinkt trotz bergabfahrt nicht auf 0,0 l

Im Tempomatbetrieb ist die Schubabschaltung deaktiviert. Daher sinkt der Kraftstoffverbrauch auf nicht auf 0,0 l.

  • grundlagen/tempomat/start.txt
  • Zuletzt geändert: Sat. 04.08.2018 17:08
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