Navigatonssystem FX geht nicht mehr an, zieht aber Strom

Die nachfolgende Reparaturanleitung passt, wenn die folgendene Aussagen zutreffend sind:

  1. Die Sicherungen sind intakt
  2. Gerät lässt sich nicht mehr einschalten obwohl Betriebsspannung vorhanden ist
  3. Gerät zieht, obwohl keine Funktion erkennbar ist, Strom und entleert die Batterie
  4. Gerät schaltet sich zeitweise erst verzögert ein
  5. Gerät schaltet sich während des Betriebs selbstständig aus (manchmal startet es nach ca. 10 Sekunden von alleine wieder)

Dieser Defekt, einer der häufigsten, wird verursacht durch eine fehlerhafte Charge von RAM-Bausteinen von denen zwei im Gerät verbaut sind. Der Fehler sorgt dafür das meistens der RAM-Baustein auf der Unterseite der Hauptplatine kaputt geht. Grundsätzlich tragen aber beide Chips den Fehler „in sich“:

Der RAM-Chip ist bei auftreten des Defekts dann „wärmeempfindlich“, sprich durch geziehlte Erhitzung des Bausteins kann kurzfristig wieder eine Funktion hergestellt werden. Dieser Effekt ist jedoch nicht dauerhaft und spätestens nach Trennen der Stromversorgung ist wieder alles beim alten.

Einzige Lösung hierbei ist der Austausch des defekten RAM-Bausteins. Da es sich um einen Serienfehler handelt macht es aber nur Sinn gleiche beide RAMs zu tauschen, sonst hat man vermutlich nach kurzer Zeit das gleiche Problem wieder. Das würde jeder gute Elektroniker ohnehin tun!

Bevor man sich die notwendigen Ersatzteile beschafft sollte man überprüfen des es sich auch um das genannte Problem handelt. Dazu gibt es einen einfachen Test:

  1. 12V Betriebsspannung über ein Labornetzteil (oder einer einfachen 12V-Stromversorgung mit mind. 2A Leistung und einem in Reihe geschaltetem Amperemeter) an den Pins vom Quadlock-Stecker anlegen
  2. Die RAM-Chips (siehe Bilder oben) und auch wirklich nur diese, geziehlt mit Heißluft (100°C reichen!) erwärmen. Zunächst den unteren, danach den oberen. Dabei die Stromaufnahme beobachten.

Nach spätestens einer Minute muss sich bei der Stromaufnahme eine Reaktion zeigen und diese sollte auf ca. 600-700 mA steigen. Zeigt sich nach der Prozedur weder beim unteren noch beim oberen RAM-Chip eine Reaktion, liegt ein anderer Fehler vor. Dann mit den weiteren Diagnosen fortfahren.

Zur Reparatur wird neben den RAM-Chips (die leider aufgrund ihres Alters kaum noch am Markt verfügbar sind) vor allem Erfahrung beim Löten von SMD-Chips der Bauform TSSOP (0,65mm Beinchenabstand) benötigt. Das hierfür erforderliche Equipment (Reflow-Lötstation, Entlötstation, Platinenvorwärmer, Flußmittel, Reinigungsmittel, Kapton-Tape, etc.) versteht sich von selbst. Wem das alles nichts sagt sollte besser die Finger davon lassen und einen Fachmann beauftragen.

Schritt 1) Die defekten RAM-Chips auf Ober- und Unterseite auslöten

Idealerweise mit Heißluft. Die verbleibenden Lötzinnreste mit dem Lötkolben, etwas Flußmittel und Entlötlitze (1mm) entfernen.

Schritt 2) Neue RAM-Chips einlöten

Anschließend die Platine größzügig mit Alkohol von Flußmittelresten reinigen.

Zuletzt die Lötstellen unter dem Mikroskop (10-30 fache Vergrößerung) kontrollieren.

Schritt 3) Funktionsprüfung

Die Gerätefront aufstecken (klappt auch im zerlgten Zustand problemlos) und wie oben beschrieben 12 V anlegen. Das gewohnte Einschaltbild mit der PIN-Abfrage sollte nun wieder zu sehen sein:

Schritt 4) Gerät wieder zusammenbauen

Die RAM-Module sind vom Hersteller „MICRON“ und tragen die Bezeichnung „46V64M8-6T IT F“. Es werden zwei solcher Bausteine benötigt. Vorab zum besseren Verständnis die Entschlüsselung dies Labelcodes:

  • (1) enthält die Modellserie (46V) sowie die Kapazität (64M8 = 64 MB x 8 = 512 Megabyte)
  • (2) zeigt die Gehäuseform an (P = 66-pin TSOP Bleifrei)
  • (3) gibt zunächst das Timing an (-6T entspricht „cycle time 6ns @ CL = 2.5“ und damit DDR333). Das Kürzel IT zeigt den Arbeits-Temperaturbereich von –40°C bis +85°C an. ). Der letzte Buchstabe, F gibt das Revisionsmodell an und ist Herstellungsjahrabhängig
  • (4) weist mit der Ziffernfolge 1-2 auf das Vetriebs- und Herstellungsland hin. 1 entsprich dabei „Verkauf nur in den USA“ und 2 gibt als Chip-Herstellungsland „Singapur“ an
  • (5) enthält Herstellungsjahr und Woche darin. 0922 steht zum Beispiel für Kalenderwoche 22/2009.
  • (6) ist das Hersteller Logo. Dies wurde über die Jahre geändert. Original sind diese zwei Varianten: oder

Der Chip wird mit 2,5 V versorgt und mit einem Takt von 167 MHzbetrieben. Die Versorgungsspannung darf dabei nur um 0,2V nach oben oder unten abweichen. Die I/O-Signale sind ebenfalls auf einen 2,5 V Pegel ausgelegt.

Wichtig und wirklich zwingend zu beachten für die Suche nach Ersatz-RAMs sind folgende Parameter:

  • 46V64M8 für den richtigen Typ (interne Organisation der Daten)
  • -6T oder -5B für das richtige Timing (extrem wichtig! weil der Naviprozessor da sehr empfindlich ist)
  • IT für den richtigen Temperaturbereich -40 bis +85°C (ohne Angabe sind es nämlich nur 0 bis +70°C was fürs Auto schlecht wäre, denn unter 0° machen die dann schlapp!)
  • F für beste Ergebnisse sollte man auf die gleiche Revision achten

Der „-6T“ wird schon länger nicht mehr produziert und ist daher leider sehr schwer erhältlich. Von Micron selbst wird als Alternative der „-5B“ angeführt. Dieser hat etwas bessere Taktzeiten und liese sich sogar mit 200 MHz betreiben, ist aber abwärtskompatibel. Dieser Chip wird aktuell noch hergestellt.

Weil die RAMs schwer zu beschaffen und sehr teuer sind (es gibt nur wenig Restbände der Originalware), aber scheinbar häufig auch in anderen Navigationsgeräten zum Einsatz kommt, wird er oft gefälscht. Diese „China-Clones“ funktionieren nach Austausch entweder garnicht oder fallen nach kurzer Zeit wieder aus. Auch sollte man sich keinesfalls von Produktbildern in Webshops verlassen. Ich habe selbst schon welche aus China bestellt und was ganz anderes bekommen als auf dem Foto zu sehen war.

Alle auf dem oberen Foto gezeigten Beschriftungen und Logos müssen so auch auf dem Chip zu sehen sein. Jegliche Abweichung, sei sie auch noch so geringfügig, entlarvt die Fälschung. Manche Produktpiraten aus dem Reich der Mitte machen sich nichtmal die Mühe den Aufdruck zu fälschen, da fehlt dann das Herstellerlogo dann gleich ganz. Im allgemeinen kann man sagen: Wertden die RAMs für 5-6 € das Stück angeboten, handelt es sich ziehmlich sicher um Fälschungen.

:i: Wer Hilfe bei der Beschaffung der RAM-Chips oder der Reparatur als ganzes braucht, kann sich gern über das Kontaktformular an mich wenden.

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  • Zuletzt geändert: Mon. 15.10.2018 20:17
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