Navigatonssystem FX startet nicht mehr

:i: Wer sich die Beschaffung und den Austausch der RAMs nicht selbst zutraut, kann einen der zahlreichen Reparaturdienstleister im Internet beauftragen, oder über dieses Kontaktformular bei mir mal anfragen. Ich kann sowas löten und mit etwas Glück habe ich dann noch zwei RAM-Chips übrig.

Zur Reparatur werden neben den RAM-Chips (die kaum noch am Markt verfügbar sind, man muss echt suchen und Glück haben) vor allem Erfahrung beim Löten von SMD-Chips (Bauform TSSOP) mit 0,65mm Beinchenabstand benötigt. Das hierfür erforderliche Equipment (Reflow-Lötstation, Entlötstation, Platinenvorwärmer, Flux, etc.) versteht sich von selbst. Wem das alles bekannt ist, kann die Reparatur erfolgreich durchführen, alle anderen lassen besser die Finger davon und fragen einen Fachmann.

Zu diesem Beitrag existiert auch ein Thema im Benutzerforum: FX-Reparatur Thread auf mondeo-mk4.de

Die nachfolgende Reparaturanleitung passt, wenn alle genannten Symptome zutreffend sind:

  1. Gerät schaltet nicht mehr ein, keine Funktion
  2. Gerät schaltet sich zeitweise erst verzögert ein
  3. Gerät schaltet selbstständig aus
  4. Gerät hat keine Funktion, zieht aber Strom und entleert die Batterie (Stromverbrauch 180 oder 400 mA)
  5. Sicherungen sind intakt

Bis 31.12.2015 konnten die von diesem Fehler betroffenen Geräte kostenlos über Ford umgetauscht werden. Hierzu gab es die TSI 26/2013. Wer das hier liest hat den Zeitpunkt aber leider verpasst und kann sein Gerät nur noch auf eigene Kosten reparieren (lassen).

Bei diesem Gerät gibt es einen Designfehler, der dazu führt das der auf der Unterseite des Mainboards sitzende RAM-Baustein kaputt geht. Die Ursache dafür ist möglicherweise die schlechte Wärmeabfuhr auf der Unterseite, es könnte sich aber auch um einen Serienfehler in den RAMs handeln.

Der Chip ist dann Wärmeempfindlich, sprich durch geziehlte Erhitzung des Bausteins kann kurzfristig wieder eine Funktion hergestellt werden. Dies ist jedoch nicht auf Dauer und spätestens nach Trennen der Stromversorgung ist wieder alles beim alten. Einzige Lösung hierbei ist der Austausch des defekten RAM-Bausteins.

Das Gerät besitzt zwei RAM-Bausteine, je einen auf der Oberseite und einen auf der Unterseite des Mainboards:

In der Regel geht nur der untere kaputt, es empfiehlt sich aber grundsätzlich beide auszutauschen.

Daten:

Der Chip wird mit 2.5V versorgt und mit 167 MHz Takt betrieben. Die Versorgungsspannung darf dabei nur um 0,2V abweichen. Die I/O-Signale sind ebenfalls auf einen 2.5V Pegel ausgelegt.

Beschriftung:

Die verwendeten RAM-Module sind 512MB Doube-Data-Rate-SDRAMs (DDR400) von MICRON im 66-Pin TSOP Gehäuse:

Die Label auf dem Chip bedeuten laut Datenblatt folgendes:

(1) 46V ⇒ Modellserie
64M8 ⇒ 64 MB x 8 = 512 MB Speicherkapazität
(2) P ⇒ 66-pin TSOP (Pb-free)
(3) -6T ⇒ Timing – cycle time 6ns @ CL = 2.5 (DDR333)
IT ⇒ Industrial Temperature rating (–40°C to +85°C)
F ⇒ Revisionsmodell (Herstellungsjahrabhängig)
(4) 1-2 ⇒ Vetriebs- und Herstellungsland. Im Beispiel 1 = Verkauf in USA, 2 = Hergestellt in Singapur
(5) 0922 ⇒ Herstellungsdatum (Jahr und Kalenderwoche). Im Beispiel KW22/2009.
(6) Hersteller Logo. Hier sind zwei möglich: oder

Ersatz RAM-Chips finden:

Wichtig bei der Suche nach Ersatz-Chips sind folgende Parameter des Chips:

  • 46V64M8 für den richtigen Typ (interne Organisation der Daten)
  • -6T für das richtige Timing (extrem wichtig! weil der Naviprozessor da sehr empfindlich ist)
  • IT für den richtigen Temperaturbereich -40 bis +85°C (ohne Angabe sind es nämlich nur 0 bis +70°C was fürs Auto schlecht wäre, denn unter 0° machen die dann schlapp!)
  • :F für beste Ergebnisse sollte man auf die gleiche Revision achten

Der „-6T“ wird schon länger nicht mehr produziert und ist daher leider sehr schwer erhältlich. Von Micron selbst wird als Alternative der „-5B“ angeführt. Dieser hat etwas bessere Taktzeiten und liese sich sogar mit 200 MHz betreiben, ist aber abwärtskompatibel. Dieser Chip wird aktuell noch hergestellt.

ACHTUNG! Nicht auf billige Fake-Chips aus China reinfallen:

Weil die RAMs schwer zu beschaffen und sehr teuer sind (es gibt nur wenige Quellen in den USA aus denen man noch lagernde Originalware beziehen kann), aber scheinbar häufig auch in anderen Navigationsgeräten zum Einsatz kommt, wird er oft gefälscht. Also nicht auf China-Clones hereinfallen! Die laufen entweder garnicht oder fallen bald aus. Leider kann man sich auch nicht auf im Webshop (egal ob renomiertes Auktionshaus oder China-Handelsplattform) präsentierte Produktbilder verlassen. Ich habe selbst schon welche aus China bestellt und was ganz anderes bekommen also zu sehen war.

Im allgemeinen kann man sagen, wenn einzelne RAMs billiger als 5-6 € das Stück sind, handelt es sich vermutlich um Fälschungen. Alle auf dem oberen Foto gezeigten Beschriftungen und Logos müssen so auch auf dem Chip zu sehen sein. Jegliche Abweichung, sei sie auch noch so geringfügig, entlarvt die Fälschung. Manche Produktpiraten aus dem Reich der Mitte machen sich nichtmal die Mühe den Aufdruck zu fälschen, da fehlt dann das Herstellerlogo gleich ganz.

  • Teile:
    • 2 RAM-Chips vom Typ „MICRON 46V64M8-6T IT F“
  • Werkzeuge und Hilfsmittel:
    • Torx T5 für das Gehäuse
    • Geregelte Elektronik-Lötstation (50-80W) mit SMD-Spitzen (Meißelform + 0,8 mm Kegelform) oder Heißluft (Rework) Station
    • Entlötlitze, 1 mm
    • Flußmittel-Paste (FLUX)
    • Platinenreiniger (Isopropanol)
    • SMD-Lot (Pb60Cu40), 0,5 mm
    • Anti-Static Lötmatte
  • Kenntnisse:
    • Feinelektronik löten (SMD löten)

1.) Radio ausbauen

Hierzu muss das Radio komplett zerlegt werden.

3.) Die defekten RAM-Chips auslöten

4.) Die neuen RAMs einlöten

RAMs verlöten:

Anschließend die Platine vom Fluxmittel reinigen.

5.) Gerät wieder zusammenbauen

6.) Abschließende Funktionsprüfung

Nachdem das Navi nun wieder zusammengebaut und an 12V gehangen wurde, startet es wie gewohnt. Der Stromverbraucht liegt hier bei ca. 900 mA.

FERTIG